Feministische Pornografie

Mainstream-Pornografie ist nicht nur sehr einseitig, da sie oft einer bestimmten Formel folgt, die immer und immer wieder (nur auf noch krassere Art) abgedreht wird, sie ist auch alles andere als feministisch. Üblicherweise werden Frauen auf solch eine erniedrigende Art abgebildet, dass man sich als Zuschauer:in aufgrund gesehenen Pornos teilweise sogar schlecht fühlt, da man einen solchen Umgang im realen Leben alles andere als gutheißen würde. Aber welche befriedigenden Alternativen gibt es zu den Mainstream-Plattformen? Feministische Pornografie beinhaltet doch nur Kuschelsex, der eben nicht jeden Menschen anspricht – oder etwa nicht?

Ganz am Anfang gilt es schon einmal, mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen: Feministische Pornografie bedeutet nicht, dass diese exklusiv für Frauen gedacht ist und auch nur diese ansprechen soll. Außerdem gehört zu feministischer Pornografie sehr viel mehr als bloß sanfter, für an härtere Pornografie gewöhnte Menschen nahezu schon langweiliger, Blümchensex, der häufig mit dem Begriff assoziiert wird. Also was ist feministische Pornografie nun eigentlich?

Bild von We-Vibe Toys auf Unsplash

Da feministische Pornografie eine momentan wachsende Industrie ist, ist es schwer, eine einheitliche Definition festzulegen. Die meisten Interpretationen des Begriffs stimmen allerdings in einigen Punkten überein: Zunächst einmal werden die Darsteller:innen mit Respekt behandelt, fair bezahlt und haben ein Mitspracherecht bei dem, was sie tun. Zudem werden auch die eigenen sexuellen Bedürfnisse und Fantasien der Pornodarsteller:innen in den Dreh miteinbezogen und inkorporiert, was zu leidenschaftlicheren und authentischeren Sexszenen führt, als man sie von Mainstream-Pornos kennt. Manche feministischen Pornografie-Plattformen haben es sich sogar zur Mission gemacht, ausschließlich diejenigen Darsteller:innen gemeinsam zu filmen, die zuvor schon irgendeine Art sexueller Beziehungen miteinander geführt haben.

Ganz wichtig ist bei feministischer Pornografie auch, dass – im Gegensatz zu Mainstream-Pornografie – sehr viel mehr Variation sexueller Repräsentation zu finden ist. Während auf Mainstream-Plattformen schlanke, weiße Frauen mit großen (oft durch Silikon nachgebesserten) Brüsten und durchtrainierte, weiße Männer mit großen Penissen dominieren, sieht das in feministischen Pornos ganz anders aus. Egal ob hetero-, bi- oder homosexuell, ob männlich, weiblich oder nicht-binär, ob dick, normalgewichtig oder dünn und selbstverständlich auch egal ob welcher Hautfarbe, in feministischer Pornografie ist für jeden Menschen Platz.

Foto von Adéọlá Adérè̩mí auf Unsplash

Auch Stereotype und Genderklischees haben in feministischer Pornografie nichts verloren. Abgelichtet wird ausschließlich das, womit sich die Darsteller:innen wohlfühlen und worauf sie auch tatsächlich Lust haben. Ob das nun ganz romantischer, langsamer Kuschelsex ist oder harter BDSM-Sex – solange die Personen vor der Kamera damit einverstanden sind und jede Handlung auch einvernehmlich stattfindet, gehört all das zu den Inhalten feministischer Pornografie. Niemand, der nicht möchte, wird in die passive Rolle gezwungen und niemand, der nicht erniedrigt werden will, muss dies auch tun. Wichtig ist, dass alle Teilnehmenden Spaß und Lust am Sex haben und nicht etwa Szenen wie in Mainstream-Pornos entstehen, in denen Frauen gelangweilt oder im schlimmsten Fall sogar gequält dreinblicken und gekünstelte Schreie abgeben, während die Männer sie praktisch stumm in zahlreichen unbequemen Positionen durchnehmen oder wie ein bloßes Sexspielzeug behandeln.

Einvernehmlichkeit und auch ein lockerer Umgang mit Sex sind ebenfalls Erkennungsmerkmale feministischer Pornografie. Kichern, Probleme beim Ausziehen der Kleidung und Fragen nach den Wünschen und Bedürfnissen des Sexualpartners/der Sexualpartnerin sind alles Dinge, die man in feministischer Pornografie vorfindet, während diese in Mainstream-Pornos nur in den allerseltensten Fällen auch nach dem Schnitt des Videomaterials noch vorhanden sind.

Bild von Mahrael Boutros auf Unsplash

Und sogar die Kameraeinstellungen in feministischer Pornografie unterscheiden sich von denen der Mainstream-Pornografie: Während in Mainstream-Pornos, die ihr Filmmaterial hauptsächlich nach dem male gaze richten, vor allem die Geschlechtsteile im Vordergrund stehen, ist dies bei feministischen Pornos nicht der Fall. Hier geht es um den ganzen Körper und die ganze Person, die Lust durchlebt, weshalb die verschiedenen Blickwinkel der Kamera sehr unterschiedlich und ausgewogen ausfallen.

Wer allerdings schon neugierig war und nach feministischer Pornografie gesucht hat, wird vermutlich festgestellt haben, dass es gar nicht so einfach ist, diese zu finden, da man sich erst einmal durch einen Haufen von Mainstream-Plattformen durcharbeiten muss. Aus diesem Grund beschäftigt sich der nächste Beitrag mit ein paar Beispielen feministischer Porno-Plattformen.

Beispiele für feministische Pornografie

 

Quellen:

https://www.zeit.de/zett/politik/2018-01/frauen-gehoeren-nicht-aus-der-pornografie-heraus-sondern-hinein

https://www.tagesspiegel.de/berlin/feministische-pornografie-was-ist-das-ueberhaupt-eine-klitoris/20479172.html

https://www.feministpornawards.com/what-is-feminist-porn-2/

https://www.tk.de/techniker/magazin/lifestyle/liebe-sex-partnerschaft/mypornme/feministische-pornografie-2090118?tkcm=ab

Beitragsbild: Foto von Dainis Graveris auf Unsplash

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