Ein kleiner Beitrag für die Umwelt

Zwei Geschichten, zwei Orte, zwei Krisen und die Chance, daraus etwas Neues zu schaffen.

Transition Town Totnes. Transition steht für Wandel, Übergang, Wechsel oder Umbruch, und gerade den braucht es heute dringender denn je. Schnell fallen Begriffe wie Peak Oil, Klimawandel oder Earth Overshoot Day. Und während die Einen davon völlig überrumpelt sind, die Politik vorschieben und nicht so recht wissen, was sie daran ändern könnten, nimmt Rob Hopkins die Sache selbst in die Hand.

Mit Peak Oil ist das globale Ölfördermaximum erreicht. Ab diesem Zeitpunkt wird es schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, die Ölförderungen weiterhin jährlich zu steigern. Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. Es kommt zu spürbaren Engpässen.

2006 initiierte der Umweltaktivist die erste „Stadt im Wandel“ – die Transition Town Totnes, eine kleine Marktstadt in der Grafschaft Devon im Süden Großbritanniens. Er wollte selbst Lösungen finden, gemeinsam mit anderen neue Wege gehen, nicht länger von den Entscheidungen der Politik und den Weltkonzernen abhängig sein. Und so ging es erstmal um Resilienz, also darum, die Wirtschaft der Stadt regionaler, widerstandsfähiger zu machen. War es möglich, ein System aufzubauen, dass bei Lieferengpässen oder Krisen nicht gleich kollabierte?

Es bildeten sich ersten Gruppe zu unterschiedlichen Themen wie Nahrung, Energie, Wohnen oder Medizin. Bald schon wurden die ersten Projekte umgesetzt – ein lokaler Ernährungswegweiser, Gemeinschaftsgärten, eine eigene Währung.

Der Totnes Pfund ist neben dem Brixton Pfund und dem Hullcoin eine von mehreren  Alternativwährungen Großbritanniens. In über 100 Shops, Restaurants und kleinen Läden der Stadt kann heute damit bezahlt werden. Es geht um Kundenbindung, mehr Zusammenhalt, die Unterstützung lokaler Unternehmen, das Stärken der eigenen Wirtschaft.

Aber auch in Sachen Lebensmittelversorgung will Totnes auf eigenen Füßen stehen. In Gemeinschaftsgärten wird regional und saisonal angebaut. In den kleinen Läden oder am Markt achten die Bewohnerinnen und Bewohner auf die Herkunft der Produkte. Von der totalen Selbstversorgung träumt Totnes dennoch nicht. Es geht auch um Kooperationen mit den Nachbarstädten, nicht um die vollständige Autarkie.

Mittlerweile gibt es weltweit über 1100 Transition-Städte in 43 Ländern. Sie alle wollen ihr Leben umkrempeln, nach Alternativen suchen, mögliche Lösungsansätze wie Regiogeld, lokale Ernährungssysteme oder neue Energiegenossenschaften entwickeln. Es geht darum,  die bevorstehende Kulturwende gemeinsam, bewusst zu gestalten und somit den Grundstein für eine Ressourcen schonendere, krisenfestere Gesellschaft zu legen.

Kuba macht’s anders. Vierhundert Jahre lang lag Kubas Landwirtschaft in den Händen der Kolonialmächte. Das Land wurde ausschließlich für die herrschende Klasse bestellt. Nach der Revolution jedoch, sollte alles anders werden. Von nun an ging es um die Bedürfnisse des Volkes. Die Anbauflächen waren immer noch riesig – unzählige Monokulturen, die mittels moderner Technologie bewirtschaftet wurden. Man industrialisierte wo es nur ging, bewässerte mit hohem maschinellen Aufwand. Dafür gab es Subventionen aus der Sowjetunion. Für Kuba aber war diese Art der Landwirtschaft kaum rentabel. Zum Einen war man bei der Produktion auf teure Hilfsmittel aus dem Ausland angewiesen. Zum Anderen gab der Weltmarkt die Preise für den Export vor.

Ausschnitt aus dem Film Voices Of Transition von Nils Aguilar

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion schlitterte Kuba in eine tiefe Krise. Exporte und Importe fielen um 80%, der Dieselmangel brachte die Agrarindustrie zum Stillstand. Die Menschen standen vor enormen Herausforderungen. Unter erschwerten Bedingungen, kaum vorhandenen Hilfsmitteln, ohne Pestizide oder Düngemittel schien es unmöglich, eine Landwirtschaft aufzubauen, die die gesamte Bevölkerung ernähren konnte. Und doch – aus der Not war ein Erfolgskonzept entstanden, von dem die Menschen noch heute zehren. Kuba hat auf traditionellen Ansätze zurückgegriffen und ist heute das einzige Land mit einer postindustrialisierten Landwirtschaft.

“Wir könnten so viel von diesen Ländern lernen, von den Menschen, die mit
weitaus weniger auskommen, als wir!”
– Rob Hopkins in Voices Of Transition

Das Konzept geht auf. Vieles wird heute biologisch hergestellt. Ganze 70% des in Havanna konsumierten Gemüses stammt aus der biologischen Landwirtschaft des Inselstaates und verschafft ihm somit auch noch einen geringen ökologischen Fußabdruck.  Bauern und Bäuerinnen halten Nutztiere für den Dünger, pflanzen Zwiebeln und Basilikum gegen Schädlinge, züchten Regenwürmer zur natürlichen Hummusaufbereitung. Kuba hat ein Ziel: Das Land träumt von seiner Ernährungsautonomie. Weg vom Export, hin zu mehr Selbstversorgung. Ein Traum, dessen Realisierung in greifbare Nähe gerückt ist.

Im Westen wird oft getönt, davon gesprochen, wie weit wir doch in unserer Entwicklung wären, was wir nicht alles geschafft hätten und man der sogenannten dritten Welt auf die Beine helfen könnte. Vielleicht ist es an der Zeit, den Spieß umzudrehen. Kuba hat sich selbst aus der Krise geholt und ein Konzept geschaffen, das uns allen ein Vorbild sein sollte. 

Quellen & Infos

Voices Of Transition – ein Film von Nils Aguilar
Transition-Iniitiativen – Städte im Wandel
Transition Town Movement – Partizipation & nachhaltige Entwicklung in Europa
Über Alternativwährungen in Großbritannien
Tomorrow – die Welt ist voller Lösungen

Symbol © Friedensbüro Graz 

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