Das Internet vergisst nicht

Nacktbilder. Babyfotos. Geständnisse. Beschimpfungen. Harte Worte. Auf Facebook, Instagram, Snapchat und Co. tummelt sich so allerhand. Menschen, die von der Toilette aus, in die Kamera sprechen, fragwürdige Dinge vermarkten, andere beleidigen, diskriminieren, Fotos teilen, die nicht ihr Eigen sind. Es gibt Nichts, was es nicht gibt. Und es scheint, als hätte uns das Internet nach und nach impulsiver, leichtfertiger werden lassen.

Der Bildschirm, ganz gleich ob PC, Laptop, Handy oder Tablet, trennt. Von der Welt da draußen, von den Anderen. Er lässt uns anonymer wirken, oftmals mutiger agieren, gibt uns das Gefühl in Sicherheit zu sein. Niemand sieht unser Gesicht, die Mimik, den wahren Menschen dahinter. Denn selbst auf Videos können Filter, Tierohren und -nasen kaschieren. Wir werden unvorsichtiger, denken nicht mehr so lange darüber nach. Ein paar Tastenanschläge, ein Klick – der zynische Kommentar unter dem Bild eines Bekannten ist raus, veröffentlicht und damit im „Gedächtnis“ des Internets abgespeichert. Doch wir vergessen, dass hinter den jeweiligen Profilen, auf denen wir posten, liken, kommentieren auch Menschen stecken. Individuen wie du und ich. Personen mit Gefühlen, einer Geschichte. Würden wir die Dinge, die wir posten, all die Bemerkungen, Daumenhochs und Informationen auch live, vor Publikum vortragen? Würden wir dem Gegenüber genau das sagen, was wir sonst bequem, vom Sofa aus auf seine Seite stellen? Gehen wir im realen Leben tatsächlich so miteinander um?

Doch es sind nicht nur Texte, Botschaften, die wir oftmals unbedacht veröffentlichen. Auf Social Media wimmelt es von Bildern. Fotos von uns, den Kindern, Verwandten, Freundinnen, Bekannten. Sind wir uns der Reichweite tatsächlich bewusst? Ist uns beim Upload klar, wie viele Menschen diese Bilder sehen können und wie schwer es ist, sie später wieder zu entfernen. Haben die abgebildeten Menschen auch ihr Einverständnis zur Veröffentlichung gegeben? Das Internet vergisst nicht. Wir offenbar schon. Oder zeigen wir unsere Fotoalben, die Erinnerungen an den ersten gemeinsamen Urlaub ausnahmslos jedem? Der Dame in der Straßenbahn, dem Herren an der Kassa, den Jugendlichen in der Fußgängerzone? Und was wäre, wenn all die Fotos, die wir veröffentlichen mit einem Mal auf Plakatwänden in der Stadt hängen würden? Fänden wir das dann auch noch in Ordnung? Schließlich werden unsere Bilder auf Facebook, Instagram oder Snapchat auch von etlichen Menschen gesehen, ähnlich wie die Plakate, an denen tagtäglich vorbeigehen.

Das Internet macht viele Türen auf, gibt uns die Chance, uns zu vernetzen, neue Menschen kennenzulernen, Informationen in Echtzeit zu lesen. Doch es hat auch seine Tücken. Da werden jede Menge Daten gespeichert. Die Orte, unsere Interessen, Suchbegriffe, Fotos. Daraus entstehen genaue Nutzungs-Profile, die dann vor allem im Online-Marketing zum Einsatz kommen. Unternehmen können mit Hilfe dieser Daten Werbung schalten, die exakt unseren Bedürfnissen entspricht.

Wir sollten aufmerksamer sein, uns genau überlegen, was wir wann und wie veröffentlichen. Ob wir auch später noch dazu stehen können und die Aussagen die wir online treffen auch offline genau so aussprechen würden. Denn ein Rückgängig-Machen klappt nur in den seltensten Fällen und wenn, dann meist nur über zahlreiche Umwege, mit der Hilfe Anderer. 

Eine spannende Ausstellung für Jugendliche zum Thema “Out of Control – Was die digitale Welt über dich weiß” hat Ende Oktober in Wien eröffnet. Super für Schulklassen. Nähere Informationen gibt es hier.

Quellen & Infos
Worum geht es beim Datensammeln?
Das Internet vergisst nicht – ein Artikel der Zeit

Weitere Informationen gibt es auf der Website von saferinternet.at
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