Bildung: Studieren während Corona

Bildung zu Coronazeiten. Hierbei wird – sowohl in Gesprächen als auch in diversen Medien – zuallererst, oft aber auch ausschließlich, an die Schulen gedacht. Dabei sind SchülerInnen nicht die Einzigen, denen schon eine ganze Weile lang ihr Recht auf Bildung erschwert, wenn nicht sogar enthalten wird. Auch, wenn das viele Leute inzwischen anscheinend vergessen haben: Es gibt außerdem noch die StudentInnen, die – entgegen aller Erwartungen – überwiegend nicht das letzte Jahr damit verbracht haben, sich alle verfügbaren Serien auf Netflix anzuschauen.

Sieht man sich die Berichterstattung über österreichische Universitäten an, so erschließt sich für einen Außenstehenden schnell: Läuft doch eh voll okay ab. Aber tut es das wirklich?

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Die Online-Lehrveranstaltungen, die (lustigerweise meist nicht von StudentInnen) sehr gelobt werden, sind in vielen Fällen nämlich alles andere als eine angemessene Alternative zur Präsenzlehre. Wer Livestreams hat – auch, wenn diese oftmals dank technischer Probleme chaotisch enden – oder zumindest Videoaufzeichnungen oder Powerpoints mit Audiokommentaren erhält, kann sich glücklich schätzen: Einem großen Teil der StudentInnen werden nämlich bloß Unterlagen hingeklatscht, anhand derer sie dann den gesamten Stoff selbst aufarbeiten dürfen. Kein Wunder also, dass sich für viele der Arbeitsaufwand um ein Vielfaches gesteigert hat. Nicht einmal mit garantierten Antworten der Lehrenden auf ihre Mails dürfen die Studierenden rechnen – teils vergehen Wochen, bis einmal eine Reaktion auf ihr Anliegen in ihrem Posteingang eintrudelt (falls denn überhaupt zurückgeschrieben wird).

Austausch der Studierenden untereinander? Fehlanzeige. Wer nicht schon vor dem Lockdown Kontakte an seiner Universität geknüpft hat, der wird es während der Online-Lehrveranstaltungen ziemlich sicher auch nicht tun. Online-Kennenlernveranstaltungen für Erstsemestrige, in denen sich hunderte von Studierenden in einem Videochat tummeln, funktionieren einfach nicht gleich gut wie die Variante in Präsenz. Auch in Livestreams, in denen die StudentInnen dazu aufgefordert werden, sich über die Inhalte auszutauschen, klappt dies meist nur mäßig – viel zu groß ist die Scheu oder Unbereitwilligkeit dazu, sich tatsächlich einmal verbal zu äußern. Bereits bestehende Lerngruppen haben es schwer, sich irgendwo zu treffen, um gemeinsam etwa an Übungsblättern oder Präsentationen zu arbeiten. Treffen dieser Art beispielsweise auf Discord oder Skype zu verlegen, ist in vielen Studienrichtungen auch keine wirkliche Lösung.

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Die mangelnde Vernetzung der Studierenden untereinander ist aber nicht nur auf Ebene der Studieninhalte ein Problem. Viele StudentInnen leiden zunehmend an psychischen Belastungen, da ihnen mit der Präsenzlehre und dem Aufenthalt an der Universität ein wichtiges soziales Umfeld verloren geht. Einige verbringen ihre Tage beinahe ausschließlich in den eigenen vier Wänden, da für sie kaum Grund besteht, außer Haus zu gehen – falls diese dann auch noch alleine wohnen und auch vor der Coronakrise nicht unbedingt einen fixen Freundeskreis hatten, so ist es kein Wunder, dass sie von der Einsamkeit besonders betroffen sind.

Darum, dass auch Studierende und deren Bildung derzeit enorm leiden, hat sich bis jetzt allerdings noch kaum jemand gekümmert. Anstatt sich mit deren Problemen zu befassen wurde bloß die Uni-Novelle hervorgekramt, die ausgerechnet denjenigen das Studieren erschwert, die es ohnehin schon hart genug haben – und das zufälligerweise zu Zeiten, zu denen StudentInnen kaum Möglichkeiten besitzen, sich gegen diese Neuerungen zu wehren.

 

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Quellen:
Beitragsbild: von Michal Jarmoluk auf Pixabay 

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