Frauen im Film: Manic Pixie Dream Girl

Für jeden männlichen Protagonisten, der die Nase gestrichen voll von seinem trübsinnigen Alltag hat und keinen tieferen Sinn im Leben erkennen kann, gibt es die ideale Therapie: Das Manic Pixie Dream Girl. Mit ihrer abenteuerlustigen, ein wenig verschrobenen und nahezu immer positiven Art sind Mädchen und Frauen, die dieser eindimensionalen Rollenkategorie angehören, häufig die ultimative Lösung für all die Probleme des männlichen Hauptdarstellers. Einerseits kann dies wahnsinnig unterhaltsam und amüsant zum Ansehen sein, andererseits kann die eindimensionale Kategorie der Manic Pixie Dream Girls auch durchaus zu problematischen Implikationen und einem fehlerhaften Bild von Mädchen und Frauen im realen Leben führen.

Manic Pixie Dream Girls in Filmen oder Serien zu erkennen, ist nicht sonderlich schwer, da sie meist einen ganzen Haufen an Eigenschaften teilen. Sie sind so energetisch, übermütig und lebensfroh, dass es nahezu schon verdächtig wirkt. Nichts scheint ihre gute Laune und ihr kunterbuntes Bild von der Welt stören zu können, stets fällt ihnen eine neue (teilweise auch etwas zu positive und unerwachsene) Sichtweise ein, auf die sie auch die schlimmste aller Situationen interpretieren können. Gleichzeitig haben sie oft mindestens eine seltsame (nicht selten kindliche), aber liebenswürdige, Angewohnheit und reden häufig sehr anders, als die übrigen Charaktere. Auch ihr Äußeres hebt sie meist von anderen ab: Zusätzlich zu ihrem beinahe immer strahlenden Lächeln tragen auch ihre nicht selten sehr auffällige Kleidung, Frisur oder Haarfarbe dazu bei, dass sie aus jeder Menge herausstechen.

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Das, was Manic Pixie Dream Girls am meisten auszeichnet, ist auch der Grund, weshalb sie in Filmen und Serien überhaupt erst auftreten: Ihre Vernarrtheit in den trübsinnigen, absolut normalen männlichen Protagonisten. Stets sind sie davon besessen, den Protagonisten dazu zu bringen, ein freies Leben zu leben und sich seiner Liebe hinzugeben. So überzeugen sie Zynisten davon, ihren Zynismus abzulegen, helfen deprimierten Männern nach einer Beziehung über ihre Verflossene hinweg oder helfen denjenigen, die nicht an die wahre Liebe glauben, dazu, diese für sich zu entdecken. Durch Unmengen an Abenteuern und absurden Ideen wie etwa der, sich auf die Straße zu legen, um die Sterne am Himmel zu betrachten, verleiten Manic Pixie Dream Girls die männlichen Protagonisten dazu, das Leben mit anderen Augen zu sehen und sein großes Glück zu finden. Während sie jedoch all dies tun, verfolgen Manic Pixie Dream Girls keine eigenen Ziele, die unabhängig vom männlichen Protagonisten sind – ihr einziger Zweck ist es, sein Leben zu verbessern, nicht etwa, ihr eigenes zu leben. Sobald Manic Pixie Dream Girls ihre Mission erfüllt haben, verschwinden sie schließlich wieder von der Bildfläche und lassen den nun “gefixten” Protagonisten alleine zurück, der ein neues Kapitel seiner Lebensgeschichte beginnt.

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Am Trope des Manic Pixie Dream Girls ist so einiges problematisch. Einerseits wäre da die Tatsache, dass es andeutet, dass es die Verpflichtung eines Mädchens oder einer Frau ist, Burschen oder Männer zu “reparieren”. Anstatt die Hauptdarstellerinnen in ihrem eigenen Leben zu sein, sollten sie sich lieber damit beschäftigen, Männer und Burschen zu verbessern und sie dabei zu unterstützen, die beste Version ihrer selbst zu werden. Dabei werden Mädchen und Frauen selten als individuelle Persönlichkeiten gesehen, sondern vielmehr als ein idealisiertes Mittel zum Zweck behandelt. Diese Implikation ignoriert nicht nur, dass Mädchen und Frauen auch ihre eigenen Ziele besitzen (die keine Burschen oder Männer beinhalten) und diesen nachgehen wollen, sondern ermutigt sie gleichzeitig auch dazu, in toxischen Beziehungen zu bleiben, da sie ja “so gut für ihren Partner seien” und “ihm dabei helfen würden, ein besserer Mensch zu werden”.

Andererseits legt das Trope des Manic Pixie Dream Girls auch die Interpretation nahe, dass Burschen und Männer nicht von selbst bessere Menschen werden und gestörte Gedanken- und Verhaltensweisen ablegen können, sondern dafür stets ein Mädchen oder eine Frau benötigen, die sie “fixen”. Da aber jede solche Veränderung hauptsächlich viel Arbeit und Konsequenz vom Individuum selbst braucht, kann es sehr schädlich sein, Burschen und Männern einzutrichtern, sie bräuchten sich nur eine Partnerin suchen, die sie von Grund auf ändert, ohne selbst dafür sonderlich viel tun zu müssen.

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Quellen:
https://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/ManicPixieDreamGirl

https://www.theatlantic.com/sexes/archive/2013/07/the-real-world-consequences-of-the-manic-pixie-dream-girl-clich-233/277645/

Beitragsbild: Foto von Brooke Cagle auf Unsplash

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