Kindersoldaten – ein erschreckend verbreitetes Thema

Mit achtzehn werden hierzulande junge Männer zur Stellung einberufen – also mit dem Beginn des Erwachsenseins. Und selbst dann haben sie noch die Chance, sich zu entscheiden, ob sie denn nun den Wehrdienst oder den Zivildienst absolvieren möchten. Für viele junge Männer ein unerwünschtes Hindernis auf dem Weg zum Erwachsenwerden
– doch vor allem ist die Tatsache, vor diese Wahl gestellt zu werden, ein Privileg, dessen wir uns gar nicht wirklich bewusst sind.

So wie bei uns in Österreich sieht es leider nicht überall auf der Welt aus: In vielen Ländern werden Kinder unter achtzehn aus Schulen verschleppt, ihren Eltern weggenommen oder durch aggressive Propaganda dazu gebracht, gegen den Feind in den Krieg zu ziehen. Oft sind es auch die eigenen Verwandten, die einen zum Beitritt in eine extremistische Gruppe anheuern: Onkels, ältere Brüder oder sogar die Väter sind nicht selten der Grund, weshalb Kinder überhaupt erst in einen Krieg hineingezogen werden, in dem sie gar nichts zu suchen haben. 250 000 solcher Kindersoldaten sollen laut Schätzungen existieren, die genaue Anzahl ist aber schwer zu ermitteln.

Für uns als österreichische Einwohner ist es schwer, sich das vorzustellen, doch weltweit werden in mindestens 19 Ländern Kindersoldaten rekrutiert – ganz vorne dabei sind Afrika, der Nahe Osten und Asien.

Syrien

Tausende von Kindern werden in Syrien als Soldaten missbraucht, nicht nur vom Islamischen Staat, sondern auch von der Freien Syrischen Armee und Milizen auf der Regierungsseite. So schrecklich es auch klingen mag, in Syrien sind Kindersoldaten nichts Außergewöhnliches mehr, sondern gehören beinahe schon zum Alltag, wie die UN feststellt.

Sei es nun, dass die Kinder ganz offen in den Krieg geschickt werden oder „versteckter“ arbeiten – etwa als Arzthelfer oder Spione –, im Endeffekt kommt es auf dasselbe hinaus: Die Kinder werden absichtlich in Gefahr gebracht.

Irak

Genau wie in Syrien stehen auch im Irak in nahezu allen Milizenreihen auch Kindersoldaten. Besonders systematisch gehen hierbei die Radikalen, die Nusra-Front und ISIS vor: Sie bieten zum Beispiel Schulunterricht an, der ISIS als den „Willen Gottes“ verherrlicht und Andersdenkende als Personen darstellt, die nichts als den Tod verdient haben. Manchmal spendieren die Gotteskrieger sogar Zuckerwatte und Eis für die Kinder, um ihnen vorzugaukeln, sie könnten bei ihnen ein besseres Leben führen.

Beim Alter der Kindersoldaten kennen die Extremisten hierbei keine Grenzen: Seien es nun zehnjährige Gefängniswärter oder Kinder, die gerade einmal so größer als die Waffen sind, die sie halten – je mehr Rekruten, desto besser.

Afghanistan

Auch in Afghanistan ist es schon lange keine Besonderheit mehr, Kindersoldaten einzustellen. Diese werden nicht nur von den Taliban oder anderen radikalen Gruppen eingesetzt, sogar die Polizei hatte bereits Kinder unter ihren Mitgliedern. Obwohl die Regierung beteuert, das ändern zu wollen, bestätigt Kinderrechts-Aktivist Ralf Willinger von der Hilfsorganisation „Terre des Hommes“, dass diese Absicht in der Praxis nicht umgesetzt wird.

Es ist nichts Ungewöhnliches, dass in Afghanistan Kindersoldaten wie etwa Wasil Ahmad, der im Februar 2016 von den Taliban getötet wurde, sogar als Kriegshelden gefeiert werden, während sie noch nicht einmal aus dem Schulalter heraus sind.

Nigeria

Auch in Nigeria machen die Boko Haram keinen Halt vor dem geringen Alter ihrer Rekruten: Zunächst wurden die Kinder, die sie in ihren Reihen aufnahmen, als Sexsklaven missbraucht. Seit 2014 werden aber ebendiese Kinder nun auch als Soldaten eingesetzt oder auch als menschliche Schutzschilde verwendet. Groß ist der Schock für die Behörden, wenn sie nach einem Selbstmordattentat feststellen müssen, dass es ein Kind war, das für dieses verantwortlich ist – was seit 2009 schon in über 8000 Mal der Fall war.

Doch auch die Bürgerwehren, die gegen die Boko Haram vorgehen, scheinen Alter als keinen Grund zu sehen, jemanden nicht in ihren Reihen aufzunehmen: Hunderte von Kindern kämpfen an der Seite der erwachsenen Mitglieder.

Die Liste an Ländern, in denen Minderjährige in den Krieg ziehen, könnte man noch weiter ausführen: Südsudan, Kolumbien, Indien, Myanmar – man kann sich kaum vor Augen führen, an wie vielen Orten der Welt Kinder Waffen in der Hand haben, die eigentlich in der Schule sitzen und Aufsätze schreiben sollten. Und noch viel weniger kann man sich vorstellen, welchen Gräueltaten ebendiese Kinder Tag für Tag ausgesetzt werden.

Quellen und Informationen

https://www.dw.com/de/kindersoldaten-kämpfen-in-14-ländern/a-19043546

https://www.frieden-fragen.de/entdecken/kindersoldaten/wo-gibt-es-kindersoldaten.html

https://www.tdh.de/was-wir-tun/themen-a-z/kindersoldaten/

http://www.spiegel.de/politik/ausland/isis-setzt-kindersoldaten-in-syrien-und-im-irak-ein-a-976359.html

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