Der erste Schritt: Die achtsame Innenschau

Unsere Aufmerksamkeit ist allzu oft auf unser Umfeld, andere Personen oder das Weltgeschehen gerichtet. Bevor wir im Rahmen dieser Reihe fragen, wie wir mit achtsamer Haltung unseren Mitmenschen begegnen, wollen wir eine andere, vielleicht ungewöhnliche Perspektive vorschlagen: Die achtsame Innenschau.

Dafür ist es notwendig, mit dem eigenen Körper und Geist eine fruchtbare Beziehung aufzubauen. So wie alle Beziehungen in unserem Leben, entwickelt sich auch jene zu uns selbst erst durch bewusste Hinwendung, Mitgefühl und kontinuierliche Präsenz. Thich Nath Than, buddhistischer Zen-Meister und Friedensaktivist schreibt dazu:

„Innezuhalten und mit uns selbst in Kommunikation zu treten ist ein revolutionärer Akt. Sie setzen sich hin und beenden diesen Zustand des Verlorenseins, des Nicht-Sie-selbst-Seins. Sie beginnen damit, indem Sie einfach mit dem aufhören, was Sie gerade tun, und sich mit sich selbst verbinden. Das wird achtsames Gewahrsein genannt. Achtsamkeit ist volles Gewahrsein im gegenwärtigen Moment.“ (Hanh 2019, S. 18.)

Äußere Umstände beeinflussen naturgemäß unser Innenleben: Wenn wir unangenehme Geräusche wahrnehmen, Kritik hören oder wenn es regnet und stürmt. Achtsame Innenschau meint nun zu beobachten, was diese Umstände in uns auslösen. Diesen Prozess wollen wir wertfrei erforschen: „Es geht darum, annehmend und geduldig zuzulassen, was geschieht, präsent neugierig und sanftmütig zu bleiben und bedacht statt reflexhaft zu reagieren. Damit sind hohe Ansprüche formuliert, eine Art Ziel, dem wir uns übend widmen.“ (Berzbach 2016, S. 13 f.)

In Achtsamkeitsübungen ist die Atmung von großer Bedeutung: Wir lenken die Aufmerksamkeit hin zum Einatmen und zum Ausatmen. Gedanklich folgen wir dem Rhythmus. Während wir das tun, versuchen wir das Grübeln rund um Zukunft und Vergangenheit loszulassen. Dann, so Thich Nath Than können wir uns mit jedem Atemzug frei fühlen (vgl. Hanh 2002, S. 31.).

Das funktioniert beim bequemen Sitzen und Liegen oder auch beim Gehen und will regelmäßig geübt sein: Wenn wir während eines Spaziergangs oder am Weg zur Arbeit die Füße bewusst voreinander setzen und den Atem durch den Körper fließen lassen, verbinden wir Schritt für Schritt unseren Körper und Geist und uns selbst mit unserer Umwelt. Selbst das Essen eines Apfels kann zur Achtsamkeitsübung werden. So können wir alltägliche Situationen, einzelne Momente in ihrer Einzigartigkeit wahrnehmen und uns mit unserer gegenwärtigen Erfahrung anfreunden. Neben der zunehmenden Entspannung und Bewusstheit kann Achtsamkeitsübung auch dazu dienen, unser eigenes Denken kennenzulernen, negative Muster zu entdecken und zu durchbrechen (vgl. Berzbach 2016, S. 72).

Wie können wir mit aufkommenden negativen Gefühlen umgehen?

Es ist normal, dass die Innenschau nicht immer unbeschwert ist. Es kommen womöglich negative Gedanken oder Gefühle auf. Wir versuchen, sie nicht zu bewerten und sie anzunehmen:

„Merken wir, dass Leiden oder Schmerz in uns hochkommt, sollten wir nicht davor wegzulaufen versuchen, sondern uns vielmehr zuwenden. Wir müssen keine Angst haben, von den Gefühlen überwältigt zu werden, denn wir wissen, dass wir durch achtsames Atmen und Gehen genügend Achtsamkeitsenergie schaffen können, um das Leiden zu erkennen und uns darum zu kümmern.“ (Hanh 2002, S. 29).

Gefühle wie Einsamkeit, Traurigkeit und Angst wollen nicht aus uns ausgesperrt werden, sondern angenommen werden. Wir können uns fragen:  Wie sieht das Gefühl aus? Welche Farbe hat es? Wo sitzt es in unserem Körper? Was will es uns sagen? Was braucht es von uns?

Unser eigenes Leiden zu verstehen, hilft uns, unseren Mitmenschen gegenüber mitfühlend zu sein. „Die Qualität unserer Beziehungen hängt von unserer Fähigkeit ab, unsere eigenen Probleme und Bestrebungen und die anderer zu verstehen.“ (Hanh 2019, S. 35.)

Der Molekularbiologie und Medizinprofessor Jon Kabat-Zinn entwickelt ein Achtsamkeitstraining namens mindfulness-based stress reduction, kurz MBSR, das nachweislich zur Stressreduktion beiträgt und bei psychischen Belastungen und chronischen Schmerzen entlastend ist (vgl. Kabat-Zinn 2016). Es gibt zahlreiche Seminare und Workshops zu diesem Thema.

Erkundungsreise: Eine Anleitung zur körperlichen Innenschau

Eine Übung aus dem Training von Jon Kabat-Zinn ist der sogenannte „Body-Scan“, also eine gedankliche Reise durch den eigenen Körper, die zur Entspannung und zum achtsamen Gewahrsein beitragen soll. Im Folgenden ist eine Anleitung zu lesen, die gerne zu Hause ausprobiert werden kann (vgl. dazu auch Hoffmann 2014, S. 56). Man sollte sich dafür zumindest eine Viertelstunde Zeit nehmen, sodass man jeder Körperregion ausreichend Aufmerksamkeit schenkt.

Lege oder setze dich gemütlich hin und lege deine Arme entspannt neben deinen Körper oder lege sie auf deinen Oberschenkeln. Nimm einen tiefen Atemzug, schließe deine Augen und komme langsam zur Ruhe. Wenn du keine bestimmte Atemtechnik praktizierst, darf dein Atem in seinem natürlichen Rhythmus weiterfließen.

Nun beginne, deine Füße gedanklich zu ertasten. Fühle, welche Stellen den Boden berühren und nimm deine Zehen, Fersen und Fußsohlen bewusst wahr.

Lenke deine Aufmerksamkeit dann weiter auf deine Unterschenkel, deine Schienbeine und Waden und in die Knie: sind sie entspannt?

Spüre dann in die Oberschenkel hinein und wandere gedanklich weiter in deinen Po und deinen Genitalbereich.

Atme in deinen Bauch und nimm wahr, wie sich die Bauchdecke hebt. Erspüre deinen Rücken. Wie fühlt er sich heute an?

Richte deine Konzentration auf deine Schultern, den Hals und den Nacken und spüre, wie sich die Entspannung in deinem Körper breit macht.

Wenn deine Gedanken abschweifen, richte deine Aufmerksamkeit wieder zurück zu deinem Körper.

Entspanne dein Gesicht, deinen Unterkiefer, deine Stirn und Augenlieder.

Reise zum Abschluss gedanklich in deine Oberarme, Ellenbogen, Unterarme und bis in die Fingerspitzen. Nimm nun deine gesamte Körperhaltung wahr: Welche Gefühle sind damit verbunden?

Dann atme wieder tief ein und aus, bereite dich auf den Abschluss der Übung vor, öffne – wenn du bereit bist – langsam deine Augen. Nimm dir genügend Zeit, um dich zu strecken und zu räkeln und komme wieder ganz im hier und jetzt an.

 

Quellenverzeichnis

Berzbach, Frank: Form – Bewusst – Sein. Eine kleine Vernetzung alltäglicher Dinge. Mainz: Verlag Hermann Schmidt.

Hanh, Thich Nhat (2019): Achtsam sprechen – achtsam zuhören. Die Kunst der bewussten Kommunikation. München: Knaur Verlag.

Hanh, Thich Nhat (2002): Frei sein, wo immer du bist. Bielefeld: Theseus Verlag.

Hoffmann, Ulrich (2014): Mini-Meditationen. München: Gräfe und Unzer Verlag.

Kabat-Zinn, Jon (2016): Achtsamkeit – die neue Glücksformel? Sternstunde Philosophie. SRF Kultur. Minute 10:05, online unter: https://www.youtube.com/watch?v=yNi5m14QMFU [zugegriffen am: 09.05.2022].

 

Beitragsbild © Heidi Bassin

 

Von Bedürfnissen zu gelebten Träumen: was wir aus der Reihe „Wie wohnst du?“ mitnehmen

Für die letzte Reihe des Nachbarschaftsblogs sind wir, Anna und Viktoria, im Gespräch mit Menschen, die Einblicke in ihre Wohnsituation geben. Bevor wir uns anderen Themen widmen, möchten wir reflexiv in die Vergangenheit blicken. Was sind Erkenntnisse der Interviews, welche Wohnbedürfnisse einen uns und was bedeutet es, über Wohnträume nachzudenken?

Wir versuchen, Wohnvielfalt darzustellen: Wir sprechen mit Jung und Alt, Menschen, die in der Stadt und am Land leben sowie Mieter:innen und (Gemeinschafts-)eigentümer:innen. Kritisch anzumerken ist, dass in dieser Blogreihe keine Kinder befragt werden, die leider auch im gesellschaftlichen Diskurs oftmals unterrepräsentiert sind.

Manche unserer Interviewpartner:innen sind in einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Wohnen und bringen ihm viel Aufmerksamkeit entgegen. Andere denken darüber weniger nach. Reflexion schafft ein erhöhtes Bewusstsein über die eigenen Wohnbedürfnisse, die sich naturgemäß über die Zeit hinweg verändern. Damit kann der Versuch unternommen werden, seine Lebensrealität an seine Bedürfnisse anzupassen. Eine Auseinandersetzung ist aber nur möglich, wenn Wohnen kein existentielles Problem für Menschen darstellt, es leistbar ist und Wohnverhältnisse nicht prekär oder beengt sind.

Einige grundlegende Wohnbedürfnisse einen uns Menschen. Die existenziellen Bedürfnisse nach Rückzug, Privatheit sowie Zugehörigkeit und Gemeinschaft haben wir oftmals ebenso gemeinsam wie die Sehnsucht nach Natur, Ruhe bei gleichzeitigem Angebundensein an Infrastruktur.

An diesen Beispielen zeigt sich, dass wir manchmal mehrere, auch konträre Wohnbedürfnisse verspüren können. Wir sind gefordert, sie zu priorisieren und sie in eine positive Spannung zu bringen:  Wie viel Rückzugsraum benötige ich? Wie viel Gemeinschaft ist mir ein Bedürfnis? Vor allem in zwischenmenschlichen Beziehungen birgt das Konfliktpotential, das uns zum empathischen Ausverhandeln herausfordert. Beispielhaft seien hier zwei grundlege Spannungsfelder angeführt, die sich um existenzielle menschliche Wohnbedürfnisse drehen.

Natur versus Kultur

Auf der einen Seite schätzen wir buntes, städtisches Treiben und gute Erreichbarkeit von Verkehrsinfrastruktur und Kultureinrichtungen. Auf der anderen Seite sehnen wir uns nach Ruhe, Naturräumen und Erholung. Es wird in den Interviews deutlich, dass den Personen ein nachhaltig gelebter Dialog mit der Natur ein Anliegen ist: Das beginnt beim Planen und Bauen und zeigt sich nicht zuletzt in unserer Art zu wohnen. Die Nähe zu Parks und Naherholungsgebieten, Sporteln im Wald, Bepflanzen von Gärten oder Schwimmen im nahegelegenen Fluss tragen zur Wohnqualität bei.

Architektur und Raumplanung spielen in diesem Kontext eine bedeutende Rolle. Es gibt eine Rückkoppelung zwischen Ort und Individuum: Wir prägen unsere Umwelt – zunehmender Bodenverbrauch sei an dieser Stelle als Zukunftsproblem genannt. Räume, die uns umgeben, beeinflussen wiederum uns als Personen und Gesellschaft.

Individualismus versus Kollektivismus

Ein spannender Diskurs, der sich in unserer Blogreihe auftut, ist jener über die Grenzen des persönlichen Wohnbereichs. Wo beginnt und wo endet er? Fängt Wohnen erst hinter der Schwelle der eigenen Wohnungstüre an oder kann ich die Allgemeinflächen einer Wohnsiedlung zu meinem Refugium zählen? Fakt ist, dass wir zwischen privaten Rückzugsräumen und halböffentlichen Räumen unterscheiden. Letztere beschreiben jene Räume, die jenseits des Privaten zwar für eine geschlossene Gemeinschaft vorgesehen, doch unter bestimmten Umständen auch für eine erweiterte Gruppe von Menschen zugänglich sind.

In zwei der von uns geführten Interviews berichten Menschen von ihrer bewussten Entscheidung, sich mit Gleichgesinnten eine gemeinsame Wohninfrastruktur zu schaffen. Gudrun Chase, Bewohnerin einer US-amerikanischen Siedlung, spricht über die Vorteile ihres Wohnumfeldes, in dem sich die Bewohner:innen der Siedlung über eine für ältere Menschen zugeschnittene Infrastruktur erfreuen. Matthias Schlögl, Bewohner des Kowoo, gibt uns Einblicke in die Vision eines gemeinschaftlichen Wohnprojekts, das sich auf gesellschaftliche Werte wie Nachhaltigkeit, Umweltfreundlichkeit stützt. Projekte werden im Rahmen soziokratischer Entscheidungsprozesse ausverhandelt, geplant und umgesetzt. Beiden Wohnformen gemeinsam ist der Wille nach kooperativer Nutzung von Räumen und Gütern. Unterschiede bestehen in der Verwaltung: werden Verwaltungsagenden der US-amerikanischen Siedlung für Pensionisten ausschließlich von externen Firmen übernommen, setzt das Kowoo ganz bewusst auf Selbstverwaltung. Damit sind die BewohnerInnen nicht nur in einer Nutzungs-, sondern vor allem in einer Gestaltungsrolle.

Utopie versus Realität

Auf die Frage „Wie wohnst du in deinen Träumen?“ werden viele realistische Träume geschildert. Die Rede ist nicht von der Marsbesiedelung, dem Leben auf einer einsamen Insel oder im rosaroten Luftschluss. In den Gesprächen wurden Ideen nebenbei auf ihre Durchführbarkeit geprüft. Doch das Denken in Utopien kann als spielerische Methode dazu dienen, Antworten auf Fragen zu finden, die für uns heute noch nicht greifbar sind.

Visionen sind sinnstiftend, wenn sie konstruktive Kritik an aktuellen Verhältnissen und gleichzeitig zukunftsweisende Perspektiven liefern. Ein gesellschaftlicher Diskurs über Wohnutopien erschließt uns damit neue Möglichkeitsräume und trägt zum gelingenden Wohnen aller bei.

 

Anna Kollreider

Viktoria Fröhlich

Wohnraum als Resonanzraum: Sich und sein Umfeld ins Schwingen bringen

Caroline M. wohnt mit ihrem Partner im Grazer Bezirk Geidorf in einer Dachgeschoßwohnung. Ihre Möbel baut sie teilweise selbst und ihre Teppiche webt sie auf ihrem Webstuhl. Am gemeinsamen Balkon wird Nachbarschaft gelebt – und wie!

Wie würdest du beschreiben, dass du wohnst?

Caroline: Ich wohne seit einem Jahr gemeinsam mit meinem Freund in einer Zweizimmerwohnung in der Elisabethstraße. In dieser Maisonettewohnung haben wir einen Wohn- und Essbereich, ein abgetrenntes Zimmer und im darüber liegenden Stock einen Schlafbereich. Mir sind Pflanzen und ein gutes Raumklima sehr wichtig. Ich webe und mag schöne Stoffe und gemütliche Sitzmöglichkeiten. Dann fühle ich mich wohl. Es darf auch Chaos in der Ordnung geben (lacht). Ich nutze Räume vor allem dann gerne, wenn sie sonnenlichtdurchflutet sind. Das schafft ein großartiges Wohnklima.

Die Räume sind sehr offen gestaltet, was sich bemerkbar macht, wenn mein Freund und ich gerade unterschiedlichen Tätigkeiten nachgehen. Er ist Musiker und beim Üben können sich Musikstücke oft unzählige Male wiederholen (lacht). Doch in den meisten Fällen genieße ich es, wenn mein Freund musiziert, denn es ist belebend und bringt Kreativität in unsere vier Wände.

Das Besondere an meiner Wohnsituation ist unser Gemeinschaftsbalkon: Meine Nachbarn und ich haben einen gemeinsamen Eingangsbereich, ein Art Vorhaus, das terrassenartig in Balkone übergeht, die mit Tischen ausgestattet sind. Dort laufen wir uns immer wieder über den Weg, wodurch wir uns ganz gut kennenlernen können. Ich habe mit fast allen Wohnparteien in diesem Geschoß regelmäßig Kontakt, manche sehe ich täglich. Die Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein, manchmal essen wir gemeinsam oder veranstalten Filmabende. Daraus hat sich eine richtig gute Freundschaft ergeben. Manchmal, wenn wir beispielsweise Geburtstage feiern, entsteht gar eine familiäre Stimmung. Es ist für mich heimelig, wenn ich Menschen um mich habe, deswegen genieße ich diese Nachbarschaft sehr. Der Austausch holt einen manchmal aus dem eigenen Trott. Es ist spannend, dass wir alle sehr unterschiedlich sind. Beispielsweise sind unsere Wohnungen im Grundriss fast gleich, aber die Einrichtung und Gestaltung ist gänzlich verschieden (lacht). Wir unterscheiden uns teilweise auch in unserer Lebenseinstellung, was das Beisammensein und die Diskussionen umso anregender macht.

Wie kommuniziert und organisiert sich eure Balkongemeinschaft?

Caroline: Wir schreiben in Whatsappgruppen miteinander, manchmal vereinbaren wir etwas. Ansonsten kommen wir am Balkon ins Gespräch und schmieden dort Pläne, beispielsweise dass wir gemeinsam essen oder etwas feiern. Es ist schön, dass das spontan funktioniert. Manchmal treffen wir uns für zehn Minuten, manchmal für einen ganzen Abend. Es ist sehr frei und unkompliziert.

Ist das Zusammenleben in dieser Gemeinschaft auch mit Herausforderungen verbunden?

Caroline: Ich denke, das Konfliktpotential ist nicht groß, weil jeder seine eigene Wohnung hat. Wenn wir Ruhe brauchen, dann ziehen wir uns einfach zurück. So hat man die Gewissheit: wer da ist, ist auch gerne da. Aber manchmal entstehen natürlich kleine Unstimmigkeiten, das haben Gespräche und Beziehungen so an sich (lacht). Aber über unterschiedliche Erwartungen oder Missverständnisse können wir dann sehr ehrlich sprechen.

Was ist dir in deinem Wohnumfeld wichtig?

Caroline: Ich finde es angenehm, wenn ich meine Nachbarn kenne. Wenn ich bis spätabends Musik hören will, dann kann ich das mit meinen Nachbarn offen besprechen. Da herrscht Vertrautheit.

Ich finde schön, welche Möglichkeiten eine Stadt bietet, beispielsweise die Nähe zu Geschäften, Kultureinrichtungen, Bibliotheken und der Uni. Man kann hier seinen Alltag sehr spontan gestalten. Natürlich kann der Verkehrslärm unangenehm sein. Ich sehne mich manchmal nach Ruhe und nach der Klangkulisse der Natur. Deshalb ist es angenehm, schnell in Naherholungsgebiete zu gelangen. Ich laufe öfters Richtung Hilmteich. Die Laufrunde verbinde ich dann gerne mit einem Besuch im Bioladen oder meinem Stammcafe in der Zinzendorfgasse. Dort komm ich öfters ins Gespräch mit Personen. Auch wenn es nur Smalltalk ist – diese Begegnungen tun mir gut und bringen etwas in mir zum Schwingen.

Wie war wohnen im Laufe deines Lebens für dich?

Caroline: Nachdem ich aus meinem Elternhaus in der Südostssteiermark ausgezogen bin, bin ich in eine schöne, helle Einzimmerwohnung hier in Graz gezogen. Dort habe ich zuerst allein gewohnt. Allein zu wohnen hat seine Qualitäten. Keine Rücksicht zu nehmen ist manchmal lustig (lacht). Heute muss ich mich an das Alleinsein immer erst gewöhnen. Am Beginn kann das mit einem komischen Gefühl verbunden sein. Aber nach zwei Wochen tut es mir durchaus gut: dann mache ich es mir gemütlich und genieße meine Routinen, meine Ordnung und mein Chaos. Musik hilft mir, wenn ich mal Einsamkeit verspüre.

Wie wohnst du in deinen Träumen?

Caroline: In meinem Traum habe ich auf einem Hügel oder Berg eine kleine Hütte. Sie ist umgeben von Wald und steht inmitten einer großen Lichtung. Ich habe viel Natur und Bäume um mich und einen großen Garten, mit Blumen und Gemüse, wo alles wild und wie von selbst wächst. Vielleicht ist hier auch ein Bach oder ein See, am schönsten wäre der Blick aufs Meer. Ich wohne dort allein, aber gleich unter dem Hügel sind viele Menschen, die immer wieder auf Besuch hier sind und den Ort mit mir teilen. Wir trinken gemeinsam Tee und führen gute Gespräche.

Wenn ich über meine konkreteren Zukunftsvisionen nachdenke, dann kann ich mir durchaus ein gemeinschaftliches Wohnprojekt vorstellen: Jeder hat seine eigene Wohnung, aber es gibt Räume der Begegnung und gemeinsame Aktivitäten oder Projekte, die die Bewohner:innen verbinden. Ähnlich wie bei uns am Balkon. Es könnten dort eine Werkstatt, ein Garten oder eine Sauna geteilt werden. Ich finde den Gedanken der Mehrgenerationenhaushalte schön. Doch es ist mir wichtig, dass der Rahmen bewusst gestaltet wird und man sich beispielsweise auf Regeln zum Zusammenleben einigt. Das ist notwendig für gelingendes Beisammensein, denke ich.

Die Auseinandersetzungen mit Beziehungen finde ich wertvoll – dadurch kann man sich selbst gut weiterentwickeln. Wohnen ist Wandel und Verwandlung. Man prägt und gestaltet einen Ort, der einen wiederum selbst beeinflusst. Es geht für mich darum, mit meinem Wohnraum einen Resonanzraum zu schaffen. Ich bin im Austausch mit meinem Umfeld und meinen Mitmenschen und im besten Fall gerät hier alles ins Schwingen.

Wohngemeinschaft: Geteiltes Wohnen ist nachhaltiges Wohnen

Kornelia Vogl ist gebürtige Salzburgerin, Weltenbummlerin und lebt derzeit im Grazer Bezirk St. Leonhard, um Global Studies an der Uni Graz zu studieren. Gemeinsam mit ihren vier Mitbewohnerinnen betreibt sie Sport und plant Ausflüge. Nachhaltiges Wohnen wird in der Studentinnenwohngemeinschaft großgeschrieben: auch kleine Schritte sind dabei wichtig.

Konny, wie lässt sich deine Wohnsituation beschreiben?

Konny: Ich wohne zurzeit an vielen Orten. Ich pendle zwischen Graz und Salzburg hin und her. In Salzburg leben mein Freund und meine Familie. Und hier in Graz, wo ich studiere, lebe ich in einer Wohngemeinschaft mit vier Mitbewohnerinnen und einem Hund. Egal wo ich bin, es ist laut, viel los und ich habe viele Menschen um mich.

Hier in der WG hat jede ihr eigenes Zimmer, wir teilen uns zwei Bäder und eine Küche mit einem großen Esstisch. Dieses Esszimmer ist ein Ort der Gemeinschaft, hier kommen wir zusammen. Wir kochen ein paar Mal im Monat gemeinsam, am liebsten vegetarisch. Das ist eine Gemeinsamkeit, die wir haben. Hie und da veranstalten wir Spieleabende oder trinken zusammen ein Glas Wein. Das organisieren wir dann über eine Whatsappgruppe, weil wir uns unter der Woche manchmal gar nicht so oft sehen, da wir alle viel um die Ohren haben.

Die WG ist für mich wie eine kleine Familie und meine Mitbewohnerinnen sind für mich wie Schwestern: Wir sind zwar sehr unterschiedlich, aber finden uns immer wieder Gemeinsamkeiten.  Beispielsweise teilen wir die Liebe zum Sport. Wir gehen gemeinsam Klettern oder machen Wanderausflüge ins Grüne. Wir achten außerdem auf Nachhaltigkeit in der WG. Das beginnt beim Kauf von Lebensmitteln. Außerdem schaffen wir uns nicht Dinge an, wenn sie bereits vorhanden sind, sondern teilen diese lieber. Beim Bündeln dieser Ressourcen entsteht ein wunderbares Gemeinschaftsgefühl.

Diese Sehnsucht nach Gemeinschaft war neben Ressourcenfragen ein Hauptgrund für das Siedeln in eine WG. Gerade wenn man in einer Stadt neu ist, kann man hier gleich Anschluss finden.

In Gemeinschaft zu leben, heißt aber auch, sich Dinge ausverhandeln zu müssen. Man muss sich in vielerlei Hinsicht auf die Suche nach einem kleinsten gemeinsamen Nenner begeben. Wenn es nach mir ginge, wäre die WG wahrscheinlich sauberer. Wir haben keinen Putzplan, so ist es Ermessenssache, wann jemand eine Aufgabe übernimmt. Wenn dann einmal ein Monat lang niemand das Bad putzt, dann spricht man das eben mal an. Außerdem ist unsere Wohnung recht hellhörig. Wenn ich mich beispielsweise gerade auf eine Sache konzentrieren muss und meine Mitbewohnerin Musik hört, muss ich es entweder ansprechen oder mir etwas in die Ohren stecken.

Was ist dir an deinem Wohnumfeld wichtig?

Foto von Kornelia Vogl

Konny: Was ich an der Stadt mag ist, dass ich innerhalb von 10 Minuten alles Nötige mit dem Rad erreiche. Manchmal jedoch bedrückt mich die Stadt und erzeugt ein Gefühl der Enge. Mir ist wichtig, dass ich genug Raum habe – das bin ich von meinem Elternhaus gewohnt. Ich finde beim Laufen oder Spazieren in der Stadt auch nicht dieselbe Ruhe, wie am Land und im Wald, wo ich keine anderen Menschen antreffe. Das Land gibt mir ein Gefühl von Freiheit. An meiner derzeitigen Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld sind nicht zuletzt meine Mitbewohnerinnen maßgeblich beteiligt. Bereits unsere erste Begegnung war von einer guten Stimmung geprägt und mein Gefühl hat mir recht gegeben, dass in dieser Gemeinschaft ein harmonisches Zusammenleben gelingt.

Wie war wohnen im Laufe deines Lebens für dich?

Konny: Meine Kindheit verbinde ich mit viel Freiheit. Ich bin in einem Dorf aufgewachsen. Meine Eltern haben ein großes Haus mit Garten. Dahinter erstrecken sich nur mehr Felder und Wald. Zu meiner besten Freundin bin ich zwei Kilometer weit zu Fuß gegangen und nach Hause spaziert, wenn es finster wurde. Typisch Land (lacht).

Dann habe ich in einer kleinen Wohnung in Salzburg, später in den USA als Au-pair und dann in Bosnien in einem Heim für freiwillige Mitarbeiter:innen einer NGO gewohnt. Das waren sehr unterschiedliche, teilweise verrückte und beengte Wohnsituationen.

Doch obwohl ich viel gereist bin, war Wohnen für mich immer abgesichert. In mein Elternhaus kann ich immer zurückkehren, wenn etwas mal nicht klappt. Aus meiner Arbeit mit obdachlosen Menschen habe ich gelernt, dass das nicht selbstverständlich ist. Nicht zu wissen, wo man hingehen kann und keinen Platz zu haben, ist für mich ein unfassbares Gefühl.

Wie wohnst du in deinen Träumen?

Konny: Ich hätte ein Haus am Land mit einem großen Garten in dem Obstbäume stehen und den ich bepflanzen kann. Also ich denke, mein Traum ähnelt meinem Elternhaus. Ich bin immer wieder gern ins Ausland gegangen, aber ich möchte wieder zurück nach Salzburg ziehen, weil da meine Wurzeln liegen. Dort fühle ich mich zu Hause.

Mein Traum ist, möglichst nachhaltig zu leben, ohne ganze viele Einschränkungen zu haben. Das beginnt beim Bau oder Umbau des Hauses: Wie dämme und heize ich das Haus? Kann ich Sonnenenergie gewinnen?

Außerdem ist es praktisch, an öffentlichen Verkehrsmitteln angebunden zu sein, sodass ich kein Auto benötige. In den USA habe ich erlebt, dass an jeder Ecke ein Auto steht, das du mit einer Karte ausborgen und verwenden kannst. Am Land könnten wir uns mit diesem System einige private Autos sparen.

Foto von Kornelia Vogl

Im Frühjahr habe ich bei meinen Eltern Bohnen angepflanzt. Dafür habe ich mir von meiner Tante Stangen ausgeliehen. Ich bin es gewohnt, dass Dinge im Familienverband geteilt werden. Es wäre auch eine coole Option, innerhalb von einer Straße oder Dorf Anschaffungen gemeinschaftlich zu tätigen, beispielsweise einen Rasenmäher zu kaufen und für Reparaturen gemeinsam aufzukommen. Manchmal glaube ich, dass es dafür aber einen Initiator braucht, der die Kommunikation und Organisation übernimmt.

Jedenfalls macht es für mich Sinn, auf diese Art Ressourcen zu schonen. Ich möchte in einem sozialen Wohnumfeld leben, in dem ich mich wohlfühle und ich mit meinem Handeln nicht künftige Generationen belaste, sondern nachhaltig handeln kann.

 

Beitragsfoto von pixabay

Wohnen, das nicht an der Wohnungstüre aufhört

Julia Fröhlich wohnt in einer Wohnung im Grazer Herz-Jesu-Viertel.                                       Die Auseinandersetzung mit dem Thema Wohnen ist für die Architektur-Absolventin und Mitbegründerin des wohnlabors alltäglich präsent. Auf ihrem französischen Balkon gedeihen derzeit Zinnien, Astern und Pfefferminze.

Julia, wie würdest du beschreiben, dass du wohnst?

Julia: Ich wohne mit meinem Partner in einer kleinen Wohnung. Sie ist 45 Quadratmeter groß und befindet sich im 6. Stock. Wir haben einen Wohn-/Essraum und einen Schlafbereich. Ich vermisse es, keinen begehbaren Balkon zu haben. Dafür haben wir eine feine Aussicht und schöne Räume.

Das Wohnen in dem großen Mehrparteienhaus reduziert sich auf die Wohnung selbst. Sie befindet sich in St. Leonhard, in der stark befahrenen Merangasse, in der mit hoher Frequenz Rettungsfahrzeuge in Richtung LKH vorbei brausen. Wenn man sich ausruhen möchte, nimmt man diesen Lärm stark wahr.

Was ist dir im Wohnumfeld wichtig?

Julia: In Graz ist es mir möglich, mit dem Rad schnell auf der Uni oder im Büro zu sein.  Ich schätze kurze Wegstrecken und attraktive Radwege. Meine letzte Wohnung ist direkt am Murradweg gelegen. Das sind vielleicht Kleinigkeiten, aber an meinem jetzigen Wohnort spüre ich, dass die Kombination aus Straßenbahn, ihren Gleisen und dem Autoverkehr, das Radfahren eher unangenehm macht. Die Gehsteige sind eng und manchmal durch Mülltonnen verstellt. Spaziergänge im Slalom machen weniger Spaß. Direkt vor unserer Haustüre parken sehr viele Autos. Ich stelle es mir schwierig vor, sich den Weg mit einem Rollstuhl oder Kinderwagen zum Eingang zu bahnen.

Es ist schön, dass es in meinem Wohnumfeld einige Lokale gibt und wir auch nahe am Kaiser-Josef-Markt wohnen. Außerdem ist es fein, dass der Leechwald oder der Rosenhain gut erreichbar sind. Die Nähe zu diesen Grünräumen ist ein Pluspunkt, weil unsere Wohnung keinen eigenen Außenraum hat. Das ist neben der knappen Wohnfläche ein Grund für mein Gefühl, an meinem derzeitigen Wohnort noch nicht ganz angekommen zu sein. Es fühlt sich wie eine Zwischenstation an.

Manchmal gäbe es Dinge, die ich mit den Nachbar:innen im Haus diskutieren möchte, aber es fehlt die Hausgemeinschaft, an die man das adressieren kann. Beispielsweise, dass die Leute immer wieder Restmüll in die Biotonne werfen. Das würde ich in einer Gemeinschaft, in der man gewohnt ist, sich auszutauschen, einmal ansprechen.

Ich hätte die Energie, das Umfeld meiner Wohnung liebevoller zu gestalten. Im Stiegenhaus selbst ist das aber aus Brandschutzgründen nicht erlaubt. Außerdem gehe ich jeden Tag an dieser tristen Grünfläche neben dem Hauseingang vorbei. Da war vor einiger Zeit noch Rasen. Mittlerweile ist es nur mehr eine Erdkruste, wo da und dort etwas Unkraut wächst und einzelne Pioniergehölze wieder keimen. Wahrscheinlich wäre es möglich, mich diesem Fleckchen Erde zu widmen und es zu bepflanzen, aber eine wenig motivierte Hausverwaltung und der fehlende Kontakt zur Hausgemeinschaft sind trotzdem zu große Schwellen. Auch als Mieterin sind meine Gestaltungsfreiheiten eingeschränkt und das hat Folgen: ich habe vor kurzem in einem Artikel gelesen, dass das Zugehörigkeitsgefühl erst dann entsteht, wenn man aufhört, Bewohner:innnen wie Konsument:innen zu behandeln. Wenn man ihnen anbietet, Verantwortung zu übernehmen, gäbe es weniger Vandalismus, weil die Leute sorgsamer mit den Räumen umgehen.

Wie hat sich Wohnen für dich im Laufe deines Lebens verändert?

Julia: Wohnen ist etwas ganz Komisches (lacht). Ich weiß gar nicht, ob man immer wohnt. In manchen meiner Wohnungen habe ich mich vielleicht nur zu Gast gefühlt. Wohnen ist für mich in seiner Idealform auch etwas, das nicht auf ein paar Räume beschränkt und durch eine Tür vom Rest der Welt abgegrenzt ist. Für mich wohnt man nicht nur in einer Wohnung oder einem Haus, sondern bis zu einem gewissen Grad an einem Ort. Damit meine ich das unmittelbare Umfeld, mit dem man sich identifiziert.

In meiner Kindheit hat Wohnen nicht an der Wohnungstüre geendet. Ich habe mich bis an den sichtbaren Horizont zu Hause gefühlt (lacht). Ich habe es sehr genossen, dass dort der Wald war, die Wiesen, die Hügel, auf denen wir im Winter gerodelt sind und die Büsche, in denen wir mit den Nachbarskindern gehockt sind. Diese Welt haben wir für uns erobern können.

Im Zentrum allen Entdeckens ist das Haus gestanden, von welchem sich die Welt aus aufgespannt hat. Wir sind in einem Einfamilienhaus der 90er Jahre aufgewachsen, das auf einer bestehenden Landwirtschaft erbaut wurde. Dieses Leben in einem Dreigenerationenhaushalt, in dem Familie intensiv gelebt worden ist, war für mich sehr prägend. Es war ein sehr offenes Haus, da sind viele Leute ein und aus gegangen. Nachbarn, Nachbarskinder, Großfamilienmitglieder sind oft spontan aufgetaucht und später haben Pflegerinnen meiner Oma bei uns gewohnt. Spannend ist, dass ich mich im Haus meiner Eltern nach wie vor zu Hause fühle, obwohl ich wenig Zeit dort verbringe.

Wie wohnst du in deinen Träumen?

Julia: Das ist eine Frage, die mir nicht ganz fremd ist, die aber trotzdem wahnsinnig schwierig zu beantworten ist (lacht). Im wohnlabor beschäftige ich mich mit dem Wohnen und es ist aus meiner Sicht sehr wichtig, im Wohnen das Gewohnte zu hinterfragen. Es geht darum, Bedürfnisse von Menschen in den Blick zu nehmen, die sich in einer wandelnden Gesellschaft ja ständig weiterentwickeln und neben Marktanforderungen oftmals untergehen. Ich denke als Architektin auch an die Bausubstanz und an die Räume. Wohnraum ist nicht billig und muss langfristig geplant werden. Fehlentwicklungen können nicht leicht rückgängig gemacht werden, weshalb es einer verantwortungsvollen Auseinandersetzung bedarf.

Zurück zum Traum! Im utopischen Traum geht es wohl um die Überlagerung von Gegensätzen – Nähe und Infrastruktur auf der einen und Ruhe und Freiraum auf der anderen Seite. Oder dass ich die vielen Freunde, die in unterschiedlichen Städten wohnen von zu Hause aus zu Fuß erreichbar wären, ein schnelles gemeinsames Mittagessen ganz einfach wäre.

Mein Traum ist aber in vielerlei Hinsicht sehr realistisch. Für mich ist ein Traum, nicht im Auto sitzen zu müssen, um arbeiten oder jemanden treffen zu können. Ich habe das Bedürfnis nach einer hochwertigen Bausubstanz und schönen Wohnräumen – wertvoll aber nicht unbedingt teuer. Der Traum ist auch, nicht isoliert zu sein und möglichst konfliktfrei zu leben. Ich möchte im Grünen leben. An einem Ort, den ich mir aneignen kann. Für mich ist ein Stadtpark manchmal bedauerlich, wo man einfach nur sitzen darf (lacht).

Das hängt wahrscheinlich mit meinem Wohnstil zusammen. Ich werke gerne, ich koche und produziere gerne: ich hätte gerne eine Werkstatt und eben einen Garten, in dem ich graben und pflanzen kann. Anderes als mein Partner: der kann sich vorstellen, den Liegestuhl in der Sonne aufzuklappen, ein schönes Buch zu lesen und alles nur zu genießen. Und das sage ich ganz wertfrei (lacht).

 

Beitragsfotos von Julia Fröhlich